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Vorarlberger Identität

Protest gegen Schiffsnamen

Im Jahre 1964 sollte ein neues Bodenseeschiff den Namen »Karl Renner« bekommen. Am 21. 11. 1964 demonstrierten aber in der Werft von Fußach bei Bregenz (wo das neue Schiff gebaut wurde) 20.000 Vorarlberger gegen Otto Probst, den Bundesminister für Verkehr. Als Folge bekam das neue Bodenseeschiff den Namen »Vorarlberg« statt »Karl Renner«. Die Demonstranten meinten, dass Minister Probst Vorarlberg ignorierte.

Demonstration
(Foto © Die Presse / Spang)

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Anschluss an die Schweiz?

In den Jahren 1918/21 gab es starke separatistische Tendenzen in Vorarlberg. Viele Leute wollten einen Anschluss mit der Schweiz. Nach dem Ersten Weltkrieg war das große österreichisch-ungarische Reich zusammengebrochen, und Österreich war jetzt klein geworden und hatte wirtschaftliche Probleme. Die Vorarlberger erwarteten eine bessere Zukunft als Teil der Schweiz, mit dem sie sowieso mehr wirtschaftliche und kulturelle Ähnlichkeiten hatten. Eine Volksabstimmung zeigte, dass 80% der Vorarlberger für Anschlussverhandlungen waren. Damals war (im Gegensatz zu heute) Vorarlberg wirtschaftlich schwach, und vor allem wollte die französisch-sprechende West-Schweiz Vorarlberg nicht haben. Ein Anschluss Vorarlberg-Schweiz kam nicht zustande, weil die französisch-sprechenden Teile der Schweiz Angst davor hatten, dass das deutsch-sprechende Gebiet der Schweiz noch größer würde.

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Vorarlberger und »Restösterreicher«!

Der Arlberg (1793m hoch) ist eine natürliche Grenze zwischen Vorarlberg und Tirol (und dem Rest Österreichs). Autos und Züge fahren aber ohne Probleme zwischen Vorarlberg und Tirol, dank zweier Tunnel unter dem Arlberg (der Autotunnel ist 16km lang). Wenn Vorarlberger über den Arlbergtunnel reden, hört man manchmal das Scherzwort: »Was Gott durch einen Berg getrennt hat, soll der Mensch nicht durch ein Loch verbinden«.

Lech am Arlberg
Lech am Arlberg
Mit freundlicher Genehmigung von Lech Zürs Tourismus GmbH

Viele Ostösterreicher kommen nie nach Vorarlberg, obwohl die Österreicher im Allgemeinen ein sehr reisefreudiges Volk sind. Österreich ist ein kleines Land, aber die geografische Situation macht eine Reise von Wien nach Vorarlberg umständlich. Die vielen Berge und Pässe machen die Reise etwas langsam. Viele Ostösterreicher fahren über Deutschland oder Italien nach Vorarlberg.

Der deutsche Schriftsteller Hermann Hesse wohnte am Bodensee und schrieb am 11.9.1904 einen Brief an den österreichischen Schriftsteller Stefan Zweig in Wien:

Und ich wohne also seit Anfang August verheiratet hier am Bodensee und hoffe ganz bestimmt, dass Sie früher oder später mich besuchen werden. Denn Wien kommt mir, seit ich nun völlig auf dem Land sitze, immer ferner und unmöglicher vor.

Für die Menschen am Bodensee ist Wien sehr weit weg, eine andere Welt!

Ein Vorarlberger (Mitarbeiter der Landesregierung) sagte dem Autor dieser Website:

»Die Vorarlberger verbinden den Fleiß der Deutschen mit der Genauigkeit der Schweizer und dem Charme der Österreicher.«

Eine Frau im Bundesland Kärnten (im Südosten Österreichs) sagte dem Autor:

»In Vorarlberg ist alles fremd für uns ›Restösterreicher‹«

Der Name Vorarlberg ist sehr alt und zeigt die Perspektive der Leute in Vorarlberg. Aus ihrer Perspektive leben sie »vor dem Arlberg«. Aus der Perspektive der Leute in Ostösterreich leben die Vorarlberger ja »hinter dem Arlberg«.

Karl Renner...geboren am 14. Dezember 1870 in Dolní Dunajovice, Tschechische Republik (damals hatte die Stadt den deutschen Namen »Unter-Tannowitz«, in Mähren), gestorben am 31. Dezember 1950 in Wien. Sozialdemokratischer Politiker und Publizist. 1945-50 war er Bundespräsident von Österreich.

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