Erzählen Sie uns mehr über die Rolle der Lutherischen Kirche für die deutsche Gemeinde? Die
Lutherische Kirche? Ja, diese Kirche in der Stadt, wo ich Gemeindemitglied bin heute, die ist im Jahre 1853 gegründet und hat interessanterweise die ganzen Jahre, bis heute, jeden Sonntag
deutschen Gottesdienst gehalten, auch während des Krieges. Obwohl mein Vater interniert war für
fast drei Jahre, ist an den Sonntagen trotzdem Lesegottesdienst gewesen auf deutsch. Oder (es) sind
Pastoren aus Südaustralien gekommen, die auch ab und zu mal deutsch gepredigt haben. Also eine
sehr interessante (Kirche) , also man kann sagen, die Tradition der Deutschen ist da zu erleben.
Wie hat sich Ihr Alltag durch den Krieg verändert? Das ist sehr schwer zu beantworten. Ich glaube, ich kann das nur als Kind erzählen. Ich weiss, dass wir nicht viel vom Krieg verstanden haben damals,
und wir haben natürlich auch nicht verstanden, weil (warum) wir ab und zu mal Schläge bekommen
haben von anderen. Ich glaube, für meine Eltern (war es) doch etwas anders. Die haben das
akzeptiert, dass sie Deutsche waren, hier in einem englischsprechenden Land und mein Vater ist
auch für zweieinhalb Jahre interniert worden. Das hat er auch akzeptiert. Aber er hat sehr, sehr
wenig darüber gesprochen. Haben Sie auch Freunde verloren? Während des Krieges? Würde ich
nicht sagen. Nein. Also ich glaube meine Schulfreunde, die (von) damals, die haben mich immer so
akzeptiert wie ich war. Das war kein Problem.
Erzählen Sie uns etwas über Ihre Berufslaufbahn. Auch
interessant. Also ich habe Ingenieur studiert, habe aber in diesem Feld nicht gearbeitet. Ich war sehr
interessiert mit (an) Autos und hab dann als Mechaniker angefangen für einige Jahre. Dann habe ich
bei VW gearbeitet für 12 Jahre, im Ersatzteillager und dann hat die Firma 'VDO Instrument' hier in
Heidelberg mich gefragt, ob ich den Kundendienst übernehmen würde, für die Firma, weil ich
deutsch konnte. Nicht nur, dass ich es sprechen konnte, sondern ich konnte es auch lesen. Und das
habe ich dann übernommen und habe den sogenannten Kundendienst hier in Australien aufgestellt für
die Firma VDO. Vor 20 Jahren bin ich dann ins Geschäft gegangen mit meinem Bruder. Wir haben
ein Kräutergeschäft gekauft und das habe ich heute noch.
Als Sie geheiratet haben, wie war Australien damals? Das war eine Zeit, hier in Melbourne, wo viele
deutsche Einwanderer neu anfangen mussten und (sie) haben natürlich sehr schwer arbeiten müssen,
um in ihrem Leben wieder das zu erreichen, was sie früher in Deutschland eventuell hatten. Also
Haus, Familie ernähren. Schwierigkeiten waren da. Die Deutschen konnten schlecht englisch und ich
weiss, dass ich mehrmals Leute abgeholt habe vom Schiff und habe für sie Arbeit gesucht und
musste natürlich Stellen finden, wo sie dann Deutsche akzeptieren würden. Das war nicht so einfach.
Wie hat sich Australien verändert seither? Ja, ich muss sagen, das hat sich sehr geändert seitdem.
Diese Schwierigkeiten, die zur der Zeit da waren, haben sich verbessert. Die Deutschen haben sich,
hier in Melbourne, in der australischen Gemeinde gut eingelebt. Die haben teils Australier geheiratet.
Der deutsche Hass war weg. Sogar ganz verschwunden und (es) ist, wie kann man sagen, wieder
normal geworden.
Beitrag der Deutschen zu unserem Staat beschreiben? Ich würde sagen, die haben sehr viel dazu
getragen und in verschiedentlichen Gebieten, wie ich schon vorher erwähnt habe. Auch politisch
gesehen, waren eine ganze Menge Deutsche dabei, und also ich würde sagen, sehr positiv und wenn
man jetzt zurückschauen würde, historisch sehr angenehm.
Können Sie uns
etwas über die Deutschen in Thomastown erzählen? Ja. Also ich bin natürlich als kleines Kind schon
nach Thomastown gekommen. Wir sind mit meinem Vater mitgefahren, als er da Gottesdienst
gehalten hat. Da war ich acht oder zehn Jahre alt, bin sogar in den Kindergottesdienst gegangen, in
Thomastown und ich kenne heute noch einige Familien, die zu dieser Gemeinde gehört haben und
teils noch dazu gehören. Es waren schöne Zeiten. Also die Gegend, zum Beispiel, als ich Kind war,
da waren keine Häuser, das waren alles Bauern und das Land war offen. Ich kann mich noch sehr
gut entsinnen als wir da hingefahren sind, also von Reservoir raus nach Thomastown und Epping, das
waren alles offene Felder. Was wissen Sie über das tägliche Leben in Westgarthtown? Also ich kann
nur das erzählen, was ich persönlich erlebt habe, als wir auf Besuch da draussen waren. Die Familie
Ziebell, die neben dem Grundstück der Kirche wohnte, da waren wir öfters zum Kaffee eingeladen
nach dem Gottesdienst und wir sind als Kinder in dem Haus rumgelaufen. Ich kann mit noch
entsinnen, da war keine Elektrizität und kein Gas. Wir sind dann immer die Treppe hoch und sind da
oben in dem Haus rumgewandert. Da haben sie geschlafen und (es) war interessant. Ich kann mich
noch entsinnen, draussen war so eine Wasserquelle, was wir in der Stadt natürlich nicht kannten, und
er hatte Kühe und hat gemolken und das haben wir auch miterlebt. Da war eine Familie Young. Der
Mann ist vor vier, fünf Jahren gestorben. Er war auch über neunzig. Wir haben als Kinder mehrmals
das Schöne erlebt, dass wir bei denen fürs Wochenende bleiben konnten und die haben in Epping
gewohnt. Und Sonntags ging das dann mit einer Kutsche zur Kirche. War interessant.
Wie sieht das Deutschtum in Australien aus?
Also ich würde sagen das Deutschtum. Wir versuchen die Tradition wieder bei den Deutschen
einzuführen, das heisst die sollen ihre deutsche Tradition nicht vergessen und das ist natürlich, wenn
ich meine eigene Familie anschaue, ich habe die deutsche Tradition bei uns in der Familie erlebt und
gelernt von Anderen und ich habe versucht auch in meiner eigenen Familie, meinen fünf Kindern
diese deutsche Tradition wenigstens (teilweise) beizubringen, (damit) sie erkennen, wo sie
herstammen. Wodurch unterscheidet es sich vom australischen? Die Tradition? Die australische
Tradition ist ja ganz anders. Ist ja kein altes Land und man müsste sagen, die Tradition hier, also in
Australien, da denkt man an die Iren, an die Engländer, die Deutschen. Also es ist etwas ein bisschen
von allem. Ist eine schöne Tradition, aber ganz, ganz anders und wenn man als Australier sowas
miterlebt, wenn eine andere Tradition hier mit eingebracht wird wie, zum Beispiel (die der) Italiener
oder (der) Deutschen, da können Sie schon den Unterschied sehen, wie jung das Land ist hier. Was
halten Sie vom Multikulturalismus? Ich finde es sehr gut und ich glaube, die Zukunft sieht gut aus,
dass die verschiedentlichen Nationen, die hier vertreten sind heutzutage, immer näher
zusammenarbeiten und ich würde sagen, die Deutschen ohne Problem. Man müsste sagen, bei
anderen Gruppen dauert es ein bisschen länger, aber ich glaube es ist sehr positiv. Wie betrachteten
die anderen Australier die deutschen Immigranten? Ich glaube am Anfang, wenn ich jetzt nach dem
Krieg rede, ich glaube nicht, die wussten genau nicht, was so auf sich kam, ja? Also die Deutschen,
die hier ausgewandert sind, die haben sehr schwer gearbeitet. Die haben nicht diese sogenannte
'Freizeit' für sich gehabt, wo sie am Wochenende zum Fussball oder Cricket gingen. Die haben
gearbeitet und ich glaube der Australier hat das nicht positiv angeschaut in dem Sinne. Nachher
würde ich sagen, haben sie erkannt, was diese Leute geschafft haben und haben auch zugegeben,
dass sie es zu der Zeit machen mussten, weil sie nichts hatten und mussten doch was erreichen: Ihr
Haus bauen, ihr Auto kaufen, ihre Arbeit usw. Aber die haben sehr schwer gearbeitet, die Leute.
Können Sie das Leben der Bauern von damals beschreiben? Von den
Bauern? Hier in Westgarthtown? Ein schweres Leben, würde ich sagen. Die haben, wie alle Bauern
glaube ich, mit Sonnenaufgang fing der Tag an und mit Sonnenuntergang hat's aufgehört. Die haben
sehr primitiv gelebt, zu der Zeit und, also, wenn man sogar heute noch in Westgarthtown in diese
Ziebell-Wohnung hineingeht und guckt sich mal das Land an wo die Kirche ist und diesen Friedhof,
da kann man noch sehen wie schwer das damals war und trotzdem einfach. Aber die Leute haben
gut gelebt, aber ich glaube, sehr einfach. Ich glaube, das betrifft auch alle Pioniere hier in diesem
Land, nicht nur hier in Westgarthtown.
Ich würde sagen, auch
heute wirtschaftlich trägt Deutschland sehr viel dazu hier, wenn man die deutschen Firmen
beobachtet die hier vertreten sind. Ob das in der Autogebiet ist oder im Aufbau, Engineering. Die
sind alle vertreten und ich würde sagen, wirtschaftlich hat Deutschland einen grossen Beitrage
heutzutage, auch kulturell. Also, wenn man wieder zurückgeht, die Maler die damals hier waren vor
150 Jahren, 100 Jahre. Ganz bekannte deutsche Maler. Oder Biologen, wie sie alle heissen. Da hat
Deutschland sehr viel beigetragen, hier in diesem Land und tut's heute noch. Danke. Ich glaube, das
ist alles. Also es war sehr schön und ich habe mich sehr gefreut und ich freue mich, dass Ihr Euer
Deutsch so angestrengt habt, dass es, dass wir überhaupt nicht englisch sprechen konnten.
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